Vier Zutaten. Mehr braucht dieses Brot nicht. Dinkelmehl, Wasser, Sauerteigansatz, Salz – und Zeit. Viel Zeit. Ein ganzer Tag des geduldigen Faltens, dann eine Nacht im Kühlschrank, dann der Ofen. Wer sich darauf einlässt, bekommt ein Brot, das zeigt, was Dinkel wirklich kann: ein volles, nussiges Aroma, eine saftige Krume und eine Kruste, die beim Anschneiden kracht.
Dieses Rezept ist das Gegenteil von schnell. Es ist das Rezept für alle, die verstehen wollen, wie echtes Sauerteigbrot entsteht – ohne Kompromisse, ohne Zusätze, ohne Abkürzungen.

Dinkelsauerteigbrot Rezept
Zutaten
Anleitung
- Zunächst den reifen Sauerteigansatz in einer großen Rührschüssel in dem Wasser auflösen. Die Schüssel in die Küchenmaschine einspannen und unter Rühren Mehl und anschließend Salz hinzufügen.
- Den Teig für 10 Minuten kneten lassen. Sollte er viel zu klebrig sein noch etwas Mehl nachgeben. Sollte er zu bröselig sein noch einen Schuss Wasser mit in die Schüssel geben.
- Den Teig nun luftdicht abdecken und bei Raumtemperatur gehen lassen. Etwa alle Stunde einmal falten (mindestens 6 mal über den Tag verteilt).
- Am Abend den Teig final falten, zu einem Brot formen. Dieses Brot in eine Gärform geben, abgedeckt, sodass er nicht austrocknen kann, in den Kühlschrank stellen und über Nacht gehen lassen.
- Am nächsten Morgen eine Brotbackform im Backofen auf 250 °C Ober- / Unterhitze vorheizen. Ist die Form auf Temperatur, den Teig aus der Gärform nehmen und oben mit einer Bäckerklinge tief einritzen. Anschließend in die Brotbackform befördern und diese verschließen. Das Brot für 20 Minuten bei geschlossenem Deckel backen. Den Deckel danach abnehmen, die Temperatur auf 200 °C reduzieren und das Brot erneut 20-25 Minuten backen, bis es eine schöne Bräune hat.
- Zum Schluss das fertige Brot aus der Brotbackform nehmen und auf einem Gitter auskühlen lassen.
Nährwerte
Was Dinkelmehl Type 1050 so besonders macht
600 g Dinkelmehl Type 1050 bilden die gesamte Mehlbasis dieses Brotes – kein Weizen, kein Vollkorn als Stütze. Type 1050 ist beim Dinkel die goldene Mitte: heller als Vollkorn, aber mit deutlich mehr Geschmack und Nährstoffen als Type 630. Die äußeren Getreideschichten, die beim Ausmahlungsprozess noch teilweise im Mehl bleiben, bringen ein nussiges, leicht erdiges Aroma mit, das in diesem puristischen Rezept voll zur Geltung kommt.
Wer kein Type 1050 bekommt, nimmt Type 630 – das Brot wird etwas milder und heller, gelingt aber genauso. Wichtig beim Arbeiten mit Dinkel: Er reagiert empfindlicher auf zu langes Kneten als Weizen. Das Klebereiweiß im Dinkel ist weniger stabil – wer überknetet, bekommt einen schlaffen Teig, der nicht mehr hält. Zehn Minuten kneten, dann den Rest dem Falten überlassen – das ist die richtige Balance.
Warum nur 50 g Sauerteigansatz auf 600 g Mehl?
Das klingt nach wenig – ist aber gewollt. Ein kleiner Ansatz bei langer Fermentationszeit ist ein bewährtes Prinzip im Sauerteigbacken. Wenig Sauerteig bedeutet: Die Fermentation verläuft langsam, die Hefe und die Milchsäurebakterien haben mehr Zeit, Aromastoffe zu entwickeln. Das Ergebnis ist ein Brot mit einem tieferen, komplexeren Geschmack als eines, das mit viel Ansatz schnell fermentiert.
Entscheidend ist aber, dass der Ansatz wirklich aktiv ist. Einmal vorab auffrischen – füttern, verdoppeln lassen, backen. Ein träger Ansatz bei so geringer Menge ergibt ein Brot, das kaum aufgeht. Wer unsicher ist, macht den Schwimmtest: Ein Teelöffel Ansatz ins Wasserglas – schwimmt er, ist er bereit.
💡 Tipp: Alles rund um Sauerteigansatz aktivieren, füttern und den Schwimmtest findest du in unseren Brotback-FAQ.
Der Falttag – was stundenlange Geduld bewirkt
Mindestens sechs Mal falten, über den gesamten Tag verteilt – das ist das Herzstück dieses Rezepts. Jeder Faltvorgang baut das Glutennetz schrittweise auf, ohne den empfindlichen Dinkelteig zu überarbeiten. Die langen Pausen dazwischen geben dem Teig Zeit, sich zu entspannen und die Fermentation voranzutreiben.
Das Ergebnis dieser langen, geduldigen Arbeit ist eine Teigstruktur, die stabil genug ist, um die Gärgase zu halten – und eine Krume, die locker und gleichmäßig aufgeht, anstatt flach zu bleiben. Wer den Falttag abbricht oder verkürzt, bekommt ein flacheres, dichteres Brot.
Die Übernachtgare – Aroma aus dem Kühlschrank
Nach dem letzten Falten kommt der Teigling für die Nacht in den Kühlschrank. Die Kälte verlangsamt die Hefe fast vollständig, die Milchsäurebakterien arbeiten aber weiter – bei niedrigen Temperaturen entstehen mehr Milchsäure als Essigsäure, was dem Brot eine mildere, rundere Säure gibt. Gleichzeitig lässt sich ein kalter Teigling morgens deutlich einfacher aus der Gärform stürzen, einschneiden und in die heiße Form befördern als ein weicher, warmer Teigling.
💡 Tipp: Du willst die Mengen für eine andere Brotgröße anpassen? Mit unserem Brot-Rezept Rechner skalierst du alle Zutaten in Sekunden.
Backen in der Brotbackform – Kruste und Ofentrieb
Die geschlossene Brotbackform übernimmt beim Dinkelsauerteigbrot dieselbe Funktion wie ein Dutch Oven beim Weizensauerteigbrot: Sie hält den Dampf, der aus dem Teig entweicht, in den ersten 20 Minuten im Inneren. Dieser Dampf hält die Teigoberfläche elastisch und erlaubt maximalen Ofentrieb – das Brot geht auf, bevor die Kruste schließt. Wer keine Brotbackform mit Deckel hat, nimmt einen gusseisernen Topf oder bedeckt die Form in den ersten 20 Minuten fest mit Alufolie.
So servierst du das Dinkelsauerteigbrot
Frisch aus dem Ofen mit Butter und grobem Meersalz – das nussige Dinkelaroma braucht nichts weiter. Das Brot verträgt aber auch kräftige Beläge: Käse, Aufschnitt, Avocado, Hummus. Als Beilage zu Suppen ist die dichte, saftige Krume ideal zum Tunken. Wer es am nächsten Tag noch hat: kurz bei 180 °C aufbacken – die Kruste wird wieder knusprig frisch.
Aufbewahrung – so bleibt das Brot frisch
In einem Leinentuch oder Brotkasten hält sich das Dinkelsauerteigbrot 3–4 Tage. Die natürliche Säure des Sauerteigs wirkt als Konservierung. Nicht in Plastik einwickeln, sonst weicht die Kruste auf. Einfrieren funktioniert gut: Vollständig auskühlen lassen, in Scheiben schneiden, einfrieren. Scheiben direkt aus dem Gefrierfach in den Toaster, das ganze Brot bei 180 °C für 15 Minuten aufbacken.



