Ein gutes Ciabatta erkennst du an drei Dingen: einer knusprigen, rustikalen Kruste, einer wild-offenen Porung und einem Aroma, das ein reines Hefebrot nicht erreicht. Genau hier kommt der Sauerteig ins Spiel. Dieses Sauerteig Ciabatta setzt auf dein Weizen-Anstellgut und eine lange, kalte Gare über Nacht – das Ergebnis schmeckt komplexer und mild-säuerlich, wie ein Ciabatta aus einer guten italienischen Bäckerei.
Sei dir bewusst: Das ist kein Schnellrezept. Vom Auffrischen des Sauerteigs bis zum fertigen Brot vergehen rund eineinhalb Tage, das meiste davon ist reine Wartezeit. Aktiv arbeitest du nur in kurzen Etappen. Wir führen dich Schritt für Schritt durch Autolyse, Dehnen und Falten, die Übernachtgare und das Backen mit Dampf – damit du Ciabatta selber backen kannst, das sich vor dem Bäcker nicht verstecken muss.

Sauerteig Ciabatta Rezept
Zutaten
Anleitung
- Mische das Weizen Anstellgut, Wasser und Weizenmehl gründlich in einer Schüssel, bis alles gleichmäßig vermengt ist. Decke die Schüssel ab und lasse den Sauerteig bei 24–26 °C für etwa 4 Stunden reifen, bis er sichtbar Blasen bildet und an Volumen zunimmt.
- Vermenge in einer großen Schüssel das Weizenmehl, das kalte Wasser und den gereiften Sauerteig grob miteinander. Decke die Schüssel ab und lasse die Mischung für 30 Minuten ruhen. Dieser Prozess, die sogenannte Autolyse, sorgt für eine bessere Teigstruktur.
- Füge Salz und frische Hefe hinzu. Knete den Teig entweder per Hand oder in der Küchenmaschine für etwa 6–8 Minuten, bis er elastisch und geschmeidig ist. Achte darauf, den Teig nicht zu überkneten.
- Lasse den Teig bei 22–23 °C abgedeckt für 2 Stunden ruhen. Während dieser Zeit dehnst und faltest Du den Teig dreimal, jeweils im Abstand von 30 Minuten. Dieser Schritt stärkt das Glutengerüst und sorgt für eine lockere Krume.
- Stelle den Teig abgedeckt über Nacht in den Kühlschrank. Die lange, kalte Gare intensiviert das Aroma und verbessert die Teigverarbeitung.
- Heize den Backofen auf 240 °C Ober-/Unterhitze vor. Stürze den Teig vorsichtig auf eine gut bemehlte Arbeitsfläche und bestreue ihn ebenfalls mit Mehl. Behandle den Teig so wenig wie möglich, um die Luftstruktur nicht zu zerstören. Teile ihn in vier gleich große Stücke und lege diese vorsichtig auf ein mit Backpapier belegtes Backblech.
- Backe die Ciabattas bei 240 °C für etwa 25 Minuten mit ordentlich Dampf. Der Dampf sorgt für eine knusprige Kruste und eine perfekte goldbraune Färbung.
Warum dieses Sauerteig Ciabatta besonders ist
Die meisten Ciabatta-Rezepte im Netz arbeiten mit viel Hefe und sind in einer guten Stunde fertig. Das funktioniert, schmeckt aber flach. Unser Weg ist länger, dafür bekommst du echtes Aroma: Der Sauerteig entwickelt über Stunden milde Säure und Tiefe, die Hefe spielt hier nur eine kleine Nebenrolle.
Der zweite Unterschied ist die Krume. Mit rund 80 Prozent Hydration ist der Teig sehr weich und feucht – genau das brauchst du für die typische, grobe Porung mit ihren großen Löchern. Dieser Teig wird nicht geformt wie ein Laib, sondern nur behutsam geteilt, damit die aufgebaute Luft erhalten bleibt.
Und drittens das Handwerk. Autolyse, Dehnen und Falten sowie die kalte Übernachtgare sind keine Spielereien, sondern die Werkzeuge, mit denen du Struktur und Geschmack aufbaust. Wer sie versteht, backt nicht nur dieses Brot besser.
💡 Tipp: Du bist unsicher beim Anstellgut, bei der Hydration oder der Gare? In unseren Brotback-FAQfindest du verständliche Antworten zu den wichtigsten Sauerteig-Fragen.
Die Zutaten: Anstellgut, Weizenmehl & ein wenig Hefe
Die Basis ist bewusst einfach: Weizenmehl Typ 405, Wasser, Salz – und dein Weizen-Anstellgut. Typ 405 ergibt eine feine, helle Krume, wie sie für Ciabatta typisch ist. Wenn du es etwas kräftiger und stabiler magst, kannst du auch zu Typ 550 greifen.
Den Sauerteig frischst du vor dem Backen mit gleichen Teilen Anstellgut, Wasser und Mehl auf und lässt ihn reif werden. Er ist der eigentliche Geschmacksträger und sorgt für die offene Struktur. Achte darauf, dass er aktiv ist und Blasen wirft, bevor du ihn verwendest.
Zusätzlich kommen nur 5 Gramm frische Hefe in den Teig. Diese kleine Menge gibt dem Teig etwas Trieb-Sicherheit, ohne den Sauerteig-Charakter zu überdecken. Das Salz fügst du erst nach der Autolyse zu, damit es den Klebstoff im Teig nicht zu früh beeinflusst.
Schritt für Schritt zur offenen Porung
Den Anfang macht der Sauerteig. Verrühre Anstellgut, Wasser und Mehl und lass die Mischung bei 24–26 °C etwa vier Stunden reifen, bis sie sichtbar Blasen bildet und aufgeht. Erst wenn der Sauerteig reif ist, geht es weiter.
Für die Autolyse vermengst du Mehl, kaltes Wasser und den reifen Sauerteig nur grob und lässt alles 30 Minuten ruhen. In dieser Zeit verbindet sich das Mehl mit dem Wasser und das Klebergerüst beginnt zu arbeiten – ganz ohne dein Zutun. Danach knetest du Salz und die frische Hefe ein, etwa 6–8 Minuten, bis der Teig elastisch ist. Überknete ihn nicht.
Jetzt folgt die Stockgare. Lass den Teig abgedeckt rund zwei Stunden bei 22–23 °C reifen und dehne und falte ihn dabei dreimal im Abstand von 30 Minuten. Dieses Dehnen und Falten ersetzt langes Kneten, baut Spannung auf und ist der Schlüssel zur lockeren, offenen Krume.
💡 Tipp: Du willst das Rezept auf mehr oder weniger Brote umrechnen? Mit unserem Brot-Rezept Rechnerskalierst du Anstellgut, Mehl und Wasser im richtigen Verhältnis.
Kalte Übernachtgare & Backen mit Dampf
Nach der Stockgare wandert der Teig abgedeckt über Nacht in den Kühlschrank. Diese lange, kalte Gare ist der wichtigste Aroma-Schritt: Die Kälte verlangsamt die Hefe und gibt dem Sauerteig Zeit, Geschmack zu entwickeln. Nebenbei wird der weiche Teig fester und damit leichter zu verarbeiten.
Am Backtag heizt du den Ofen rechtzeitig auf 240 °C Ober-/Unterhitze vor. Stürze den Teig vorsichtig auf eine gut bemehlte Fläche und bestäube auch die Oberseite mit Mehl. Behandle ihn so wenig wie möglich, damit die Luftstruktur erhalten bleibt, und teile ihn nur in vier gleich große Stücke – nicht kneten, nicht rund formen.
Lege die Ciabattas auf ein mit Backpapier belegtes Blech und backe sie bei 240 °C rund 25 Minuten mit ordentlich Dampf. Den Dampf erzeugst du, indem du beim Einschießen eine hitzefeste Schale mit heißem Wasser auf den Ofenboden stellst. Er sorgt für die knusprige Kruste und die schöne goldbraune Färbung.
So servierst du dein Ciabatta
Frisch gebacken und noch lauwarm ist Ciabatta am besten. Reiß es auf, beträufle es mit gutem Olivenöl oder nutze es für ein Panino mit Tomate, Mozzarella und Basilikum. Auch zu Antipasti, Suppen oder einfach zum Tunken in Öl und Balsamico passt es hervorragend.
Aufbewahren kannst du Ciabatta ein bis zwei Tage mit der Schnittfläche nach unten auf einem Brett oder in einem Brotbeutel. Wird es altbacken, back es kurz bei 180 °C auf, dann wird die Kruste wieder knusprig. Zum längeren Lagern frierst du die Brote ein und backst sie bei Bedarf direkt aus dem Gefrierfach auf. Frisch schmeckt es aber immer am besten.
Häufige Fragen zum Sauerteig Ciabatta
Fazit
Sauerteig Ciabatta ist ein Wochenend-Projekt, kein Feierabend-Brot – und genau das macht es so lohnenswert. Wenn du dem Teig seine Zeit gibst und behutsam mit ihm umgehst, belohnt er dich mit einer Kruste, die splittert, und einer Krume voller großer Löcher. Dein erstes Ciabatta wird vielleicht noch nicht perfekt aufreißen, und das ist völlig in Ordnung; mit jedem Mal bekommst du ein besseres Gefühl für den weichen Teig.
Wenn dir das Arbeiten mit hoher Hydration Spaß macht, probier als Nächstes unsere Sauerteig Focaccia – verwandte Technik, anderes Ergebnis. Viel Freude beim Backen.



